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Welche psychologischen Faktoren beeinflussen MSK Schmerzen?

Ein Umbrella-Review über systematische Übersichtsarbeiten

  • Faktoren mit negativem Einfluss erhalten in der Literatur viel Aufmerksamkeit. 
  • Nur 12 von 59 Studien liefern Evidenz zu Schutzfaktoren. 
  • Strenge Checkliste: Die Qualität der eingeschlossenen Studien ist sehr gering.

In diesem Umbrella-Review, eine systematische Literaturübersicht, die nur systematische Reviews umfasst, analysierten spanische Wissenschaftler 59 Reviews, die Daten von fast 250.000 Teilnehmern über den Einfluss von psychologischen Faktoren auf muskuloskelettale Schmerzen beinhalten. Viele Studien weisen in die gleiche Richtung und die Übersichtsarbeiten überschneiden sich nicht wesentlich mit den eingeschlossenen Studien. Bei der Schlussfolgerung sind die Autoren jedoch aufgrund der geringen Qualität vieler systematischen Reviews zurückhaltend.

Umbrella Review

Die Forscher führten ein Umbrella-Review durch: ein Review über Übersichtsarbeiten, das oftmals als „die nächste Generation von Reviews“ bezeichnet wird. Sie bewerteten jede Studie gemäß der AMSTAR-2 (siehe Kasten). Nach dieser strengen Checkliste wurden alle eingeschlossenen Bewertungen als „bedenklich geringes Vertrauen“ eingestuft. Die Autoren geben zahlreiche Empfehlungen für zukünftige Forschung ab: Die Forscher sollten sich vermehrt mit Schutzfaktoren befassen und ihre Daten so darstellen, dass Meta- (Regressions-) analysen durchgeführt werden können. 

 

> Von: Martinez-Calderon et al., Clin J Pain 36 (2020) 626-637 . Alle Rechte vorbehalten Wolters Kluwer Health, Inc. Klicken Sie hier für die Online-Zusammenfassung. Übersetzung von Carina Ziller

Tabelle 1: Messinstrumente

Messinstrument

Psychologische Faktoren

Fear Avoidance Beliefs Questionnaire

Angst- und Vermeidungsverhalten

Tampa Scale for Kinesiophobia

Kinesiophobia

Coping Strategies Questionnaire

Coping-Strategien

Chronic Pain Coping Index

Coping-Strategien

Pain Self-Efficacy Questionnaire

Schmerzbedingte Selbstwirksamkeit

Pain Catastrophising Scale

Schmerzbedingtes Katastrophieren 

Coping Strategies Questionnaire

Schmerzbedingtes Katastrophieren 

 

AMSTAR

AMSTAR (A MeaSurement Tool to Assess systematic Reviews) ist eine internationale Checkliste für die Bewertung von systematischen Reviews. Die zweite Ausgabe wurde 2017 veröffentlicht. Diese besteht aus 16 Items, wovon sieben für die Validität wichtig sind: 1) Forschung stimmt mit dem Protokoll überein, 2) adäquate Suchstrategie, 3) Gründe für den Ausschluss von einzelnen Studien, 4) Verzerrungsrisiko der eingeschlossenen Studien, 5) angemessene Methodik der Metaanalyse/ statistische Auswertung der Ergebnisse, 6) Berücksichtigung von Verzerrungen bei der Interpretation der Ergebnisse, 7) In Betracht ziehen eines Publikationsbias und dessen Einfluss. 

Expertenmeinung by Aleid de Rooij, PhD

Trotz der Tatsache, dass die Qualität der Studien in Zukunft verbessert werden muss, liefert dieses Umbrella-Review einen schönen Überblick über die negativen psychologischen und protektiven Faktoren, die (scheinbar) mit dem Auftreten und/ oder Anhalten von muskuloskelettalen Schmerzen zusammenhängen. Beim Screening eines Patienten sollten sowohl die negativen als auch die protektiven Faktoren berücksichtigt werden. Diese Faktoren können verwendet werden, um die Anfälligkeit für die sich entwickelnden Schmerzen und den Verlauf chronischer Schmerzen abzuschätzen. Ein größerer Einblick in diese Faktoren führt zu mehr Interventionsmöglichkeiten.

Die Sammlung von psychologischen Faktoren kann durch die Anamnese erfolgen und durch Diagnostik anhand von Fragebögen (siehe Kasten) unterstützt werden. Forschungsarbeiten zeigen, dass negative psychologische Faktoren beispielsweise durch Aufklärung über die neurobiologische Basis von Schmerz, kognitiver Verhaltenstherapie und Akzeptanz- und Commitmenttherapie beeinflusst werden können. Wenn offensichtliche psychologische Faktoren vorliegen, können Patienten an andere Fachkräfte wie einen Hausarzt und oder einen Psychologen überwiesen werden, um die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung oder das Anhalten von (chronischen) Schmerzen zu verringern. In einem niederländischen Bericht „Psychosomatische Versorgung bei schweren somatischen Störungen“ aus dem Jahr 2015 heißt es, dass die gesamte Versorgungskette für die Erkennung psychosozialer Probleme verantwortlich ist. Daher spielt der Physiotherapeut möglicherweise eine wichtige Rolle bei der Früherkennung psychosozialer Probleme.

Schließlich ist es neben der Berücksichtigung negativer Faktoren ebenfalls sehr wichtig, die Schutzfaktoren für die Entwicklung und dem Anhalten von Schmerzen zu berücksichtigen. Durch die Erörterung dieser Schutzfaktoren können Patienten dazu ermutigt werden, trotz ihrer Schmerzen bestimmte Verhaltensmuster und Gedanken fortzuführen.

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